19. Oktober 2026
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Aufgabenkritik statt pauschaler Stellenkürzung

Die künftigen Koalitionspartner haben sich darauf verständigt, in den nächsten fünf Jahren rund 1 000 Stellen im Landesdienst nicht wieder zu besetzen. Der dbb m-v nimmt die Zahlen zur Kenntnis – und widerspricht der Methode. Wer Stellen streicht, ohne vorher zu prüfen, welche Aufgaben der Staat künftig überhaupt erfüllen soll, spart nicht: Er verlagert Last auf die Beschäftigten und Kosten in die Zukunft.

Die Zahlen der Berichterstattung sind bekannt: Bis 2031 gehen von rund 38 000 Beschäftigten etwa 7 000 in den Ruhestand. Eine demografische Welle ist kein Sparprogramm, sie ist ein Personalumbruch, der gestaltet werden muss. Rund 1 000 Stellen nicht wieder zu besetzen, heißt in der Praxis: Diese Aufgaben bleiben, das Personal dafür nicht. Dass Polizei, Justiz und Bildung ausgenommen werden sollen, macht die Sache nicht besser, denn die Aufgaben verschwinden nicht – sie landen an anderer Stelle in der Verwaltung oder bei den Kommunen, die bereits jetzt unter erheblichem Personaldruck stehen.

Die Bevölkerung fällt dieses Urteil längst – und es richtet sich nicht gegen die Beschäftigten.

Die dbb Bürgerbefragung „Öffentlicher Dienst 2026", die forsa im Auftrag des dbb durchgeführt hat, macht den Befund unmissverständlich: Nur noch 17 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger trauen dem Staat zu, seine Aufgaben erfüllen zu können. 79 Prozent halten ihn angesichts der Fülle seiner Aufgaben für überfordert. Beides sind neue Tief- beziehungsweise Höchststände der Zeitreihe; 2019 lag das Verhältnis noch bei 34 zu 61 Prozent, 2025 bei 23 zu 73 Prozent. Der Trend ist über sieben Erhebungen hinweg geradlinig. Für dieses Urteil macht die Bevölkerung nicht die Beschäftigten verantwortlich, sondern die Politik.

Der dbb Bundesvorsitzende Volker Geyer hat die Ergebnisse bei der Vorstellung am 30. Juli 2026 in Berlin so zusammengefasst:

„Die Ergebnisse unserer Befragung sind eine Katastrophe und ein Weckruf für die Regierung. Das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates ist auf einen neuen Tiefststand gefallen. Die Politik muss handeln, um diesen Sinkflug zu stoppen."

Der dbb m-v fordert daher, was er im September von den Verhandelnden gefordert hat: eine Aufgabenkritik vor der Stellenkritik.

Dazu Dietmar Knecht, Landesvorsitzender des dbb m-v:

„Eine Koalition, die den Staat durch Personalabbau schwächt, statt ihn leistungsfähig zu machen, muss beantworten, welche Aufgaben der Staat künftig überhaupt noch erfüllen soll. Eine Zahl von 1.000 Stellen ist noch keine Antwort auf diese Frage – sie ist der Verzicht darauf. Die Menschen sind uns in dieser Frage voraus: Wenn nur noch 17 Prozent dem Staat zutrauen, seine Aufgaben zu erfüllen, und 79 Prozent ihn für überfordert halten, dann ist Stellenabbau das falsche Signal zur falschen Zeit. Wer dieses Vertrauen zurückgewinnen will, darf nicht dort kürzen, wo der Staat seine Leistungen erbringt. Er muss zuerst sagen, was der Staat künftig leisten soll, und die dafür notwendigen personellen Ressourcen bereitstellen. Wir brauchen eine ehrliche Aufgabenkritik: Was kann der Staat leisten, was muss er leisten und wie viel Personal ist dafür erforderlich? Erst danach darf über Stellen gesprochen werden – sonst streichen wir Leistungen und nennen es Konsolidierung.“

 

Der dbb m-v bietet den künftigen Koalitionspartnern an, die Erfahrungen und die Fachkompetenz seiner Mitgliedsgewerkschaften konstruktiv in die Koalitionsverhandlungen und die anschließende Umsetzung einzubringen – für einen starken Staat und eine leistungsfähige öffentliche Daseinsvorsorge in Mecklenburg-Vorpommern.