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28. April 2021
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Vereinbarung mit der Landesregierung:

„Bildungspakt für Gute Schule 2030“ geschlossen

Die Landesregierung, Gewerkschaften und Verbände gehen bei der Lehrkräftegewinnung neue Wege. Sie wollen gemeinsam alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, ausreichend Lehrkräfte für die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern zu finden, zu halten und auszubilden.

Ähnlich wie bei der Verabschiedung des Lehrerpersonalkonzeptes 1995 stellen sich die Landesregierung, Gewerkschaften und Verbände nun gemeinsam der neuen Herausforderung der Lehrkräftegewinnung und verabreden eine vertrauensvolle Zusammenarbeit für die kommenden Jahre.

Dazu gehört in erster Linie auch die Betrachtung der Auswirkungen der aktuellen Pandemie. Die Partnerinnen und Partner haben dazu einen „Bildungspakt für Gute Schule 2030“ geschlossen. Die gemeinsame Vereinbarung wurde am 27. April in Schwerin unterzeichnet.

 

„Alle Kinder und Jugendlichen sollen die besten Bildungsangebote erhalten und die gleichen Chancen auf Erfolg haben. Lehrerinnen und Lehrer übernehmen dabei eine wichtige Rolle“, betonte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. „Mit dem 200-Millionen-Euro-Schulpaket, einem Schulbauprogramm und 80 Millionen Euro zusätzlich für die Digitalisierung haben wir in dieser Wahlperiode viele Vorhaben auf den Weg gebracht, die wir gemeinsam schneller vorantreiben wollen. Der Bildungspakt macht deutlich, dass Bildung in Mecklenburg-Vorpommern weiterhin hohe Priorität hat. Landesregierung, Gewerkschaften und Verbände setzen sich konstruktiv dafür ein, dass unsere Schulen attraktiver werden“, sagte Schwesig.

 

„Auch ohne Corona war das Hausaufgabenheft für Verbesserungen im Bildungsbereich gut gefüllt. Corona hat die Lage enorm verschärft. Der heutige Startschuss für den Bildungspakt für gute Schule 2030 bietet eine nötige Perspektive für Lehrkräfte aller Altersgruppen, für Verbesserung, Ausstattung und Digitalisierung und auch bei denjenigen, die sich erst noch für einen Beruf im Bildungsbereich entscheiden sollen. VBE, PhV und BvLB werden den kommenden Prozess aktiv mitgestalten“, sagte der dbb Landesvorsitzende Dietmar Knecht.

 

Auch Michael Blanck, stellvertretender dbb Landesvorsitzender und Vorsitzender des mitgliederstärksten Lehrerverband im dbb m-v, des VBE M-V, war bei der Unterzeichnung der Vereinbarung dabei. Er unterstrich: „Durch die Pandemie wurden noch einmal alle Probleme, die wir in Schulen hatten, verstärkt und neue aufgedeckt. Jetzt müssen vor allem auch beim Personal schnelle Maßnahmen umgesetzt werden, um den Arbeitsort Schule attraktiv zu gestalten. Dafür werden wir uns als VBE im Rahmen der Gespräche zum Bildungspakt stark machen und umfangreiche Maßnahmen einfordern.“

 

Der Philologenverband begrüßt ein solches gemeinsames Vorgehen ebenfalls, ist aber bestürzt über die Vorgehensweise der Landesregierung. „Erst auf intensives Veto des dbb m-v wurden die Lehrergewerkschaften (VBE, Philologenverband und Berufsschullehrerverband) aufgenommen. Auch zeugt es von keinem guten politischen Stil, einen Teil der Unterzeichner (dbb und seine Vertreter) erst kurz vor Unterschriftleistung ins Boot zu holen“, heißt es in einem Statement des PhV M-V.

Gerade das Lehrerpersonalkonzept, welches der Landesvorsitzender Jörg Seifert von Anfang bis Ende begleitet habe, hätte gezeigt, dass gemeinsames und geschlossenes Handeln den Erfolg bringe. „Wir hoffen, dass dieser "Pakt" nicht nur Wahlkampf ist. Was passiert mit diesem Pakt, wenn sich nach der Landtagswahl eine andere politische Konstellation in der Landesregierung ergibt; wo ist bei diesem politischen Vorhaben der Koalitionspartner CDU?“, fragt Seifert.

 

„Verbesserungen der Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten an den Beruflichen Schulen des Landes MV zu erreichen, ist ein fundamentales Anliegen des BvLB M-V, für das sich der Verband permanent gegenüber den politisch Verantwortlichen im Land einsetzt.  Gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten sind die Grundvoraussetzung für ein leistungsfähiges Bildungssystem, in dem den Kindern- und Jugendlichen des Landes MV ein erfolgreiches Lernen gewährt werden kann“, heißt es in einer Stellungnahme des BvLB M-V. Der BvLB M-V begrüße daher grundsätzlich, dass die Landesregierung die Zusammenarbeit mit den Lehrerverbänden des dbb suche, um die Arbeitsbedingungen an den Schulen zu verbessern. Ein Hauptanliegen des Dienstherren und auch des BvLB M-V sei die Absicht, die in den letzten Jahren immer höhere Arbeitsbelastung der Lehrkräfte quantitativ zu reduzieren. Dieses Ziel sei mit konkreten Maßnahmen zu untersetzen, um die in den nächsten Wochen und Monaten gerungen werden müsse.

Bezogen auf ein funktionierendes leistungsfähiges Berufsschulsystems in M-V brauche es eine erkennbare Landesstrategie, die auf das Jahr 2030 auszurichten sei. Man müsste Zielvorstellungen formulieren und anhand derer Maßnahmen finden, die ein Erreichen der Ziele gewährleisten.  

„Der BvLB M-V wird sich mit seinen Vorstellungen konstruktiv in diesen Arbeitsprozess einbringen, um im Sinne der Beschäftigten Verbesserungen der Arbeitsbedingungen an Beruflichen Schulen des Landes MV zu erreichen. Zu hoffen bleibt, dass die geschlossene Absichtserklärung auch nach der Landtagswahl im September 2021 auf der Agenda der politisch Verantwortlichen stehen wird“, betont der BvLB in seiner Erklärung.

 

Im Kern der Vereinbarung geht es darum, den Arbeits- und Ausbildungsplatz „Schule“ in Mecklenburg-Vorpommern so attraktiv wie möglich zu gestalten. Ziel ist es, dass mehr Lehrkräfte länger und gesund im Schuldienst verbleiben. Angehende Lehrkräfte sollen nach Möglichkeit ihre Ausbildung im Land absolvieren und ihren Weg hürdenlos in Mecklenburg-Vorpommern fortsetzen können.

 

Personen mit ausländischer Lehrerqualifikation soll darüber hinaus der Weg in den schulischen Alltag in Mecklenburg-Vorpommern geebnet werden. Ein Fokus liegt hier bei Lehrkräften in europäischen Ländern und insbesondere beim Nachbarland Polen. Außerdem will das Land qualifizierte Lehrkräfte über den Seiteneinstieg gewinnen. Bewerberinnen und Bewerber sollen gezielt und frühzeitig angesprochen und qualifiziert werden.

 

„Dieser Bildungspakt ist ein sehr wichtiges Signal, dass wir gemeinsam alles daran setzen werden, unseren Schulen und damit unseren Kindern eine gute Zukunft zu sichern. Mecklenburg-Vorpommern steht bei der Lehrernachwuchsgewinnung vor großen Herausforderungen, weil viele Pädagoginnen und Pädagogen in den kommenden Jahren in den wohlverdienten Ruhestand gehen und auch andere Länder Lehrkräfte suchen“, erläuterte Bildungsministerin Bettina Martin. „Wir haben bereits wichtige Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität des Lehrerberufs auf den Weg gebracht. Wir wollen sie nun gemeinsam umsetzen und über die mittel- und langfristig notwendigen Schritte im Gespräch bleiben. Dafür werden wir einen regelmäßigen Diskussionsprozess aufsetzen“, so Martin.

 

Um den „Bildungspakt für Gute Schule 2030“ auszugestalten, haben sich die Partner darauf verständigt, verschiedene, möglicherweise auch temporäre Maßnahmen zur Bindung, Gewinnung und erfolgreichen Qualifizierung von Personal in allen Schularten zu prüfen: Dazu zählen u. a. die Senkung der Arbeitsbelastung, der Umgang mit Mehrarbeit und die weitere Flexibilisierung der Arbeitszeitgestaltung, der Auf- und Ausbau multiprofessioneller Teams zur Unterstützung der Schulen, die Verbesserung des Vorbereitungsdienstes für angehende Lehrkräfte und des Lehramtsstudiums sowie die qualitative Verbesserung des Seiteneinstiegs.

 

Die Beteiligten wollen hierzu einen regelmäßigen und offenen Dialog führen. Die Gespräche sollen noch vor der Sommerpause beginnen, um sich über einzelne Maßnahmen auszutauschen, die noch kurzfristig umgesetzt werden können.